Funktionalismus

In Archi­tek­tur und Design ver­steht man unter Funk­tio­na­lis­mus das Zurück­tre­ten rein ästhe­ti­scherGestal­tungsprin­zi­pi­en hin­ter den die Form bestim­men­den Ver­wen­dungs­zweck des Gebäu­des oder des Geräts. Daher stammt der berühm­te Aus­spruch „Form fol­lows func­tion“ („die Funk­ti­on bestimmt die Form“) von Lou­is Sul­li­van, der der popu­lä­ren Auf­fas­sung ent­sprang, eine zeit­ge­mä­ße Schön­heit in Archi­tek­tur und Design erge­be sich bereits aus deren Funk­tio­na­li­tät.

Die Anfän­ge die­ser Auf­fas­sung rei­chen zu den ästhe­ti­schen Theo­re­ti­kern des 19. Jahr­hun­derts zurück (Lot­ze, Sem­per, Gree­nough), wer­den in Deutsch­land jedoch erst mit der Grün­dung desDeut­schen Werk­bun­des unter den Schlag­wor­ten Sach­lich­keit und Zweck­form in den Rang einer künst­le­risch ernst­zu­neh­men­den Gestal­tungs­wei­se erho­ben.

Der Funk­tio­na­lis­mus erlang­te nach dem Ers­ten Welt­krieg und nach dem Zwi­schen­spiel des Expres­sio­nis­mus unter dem Begriff Neu­es Bau­en, Bau­haus­stil oder Neue Sach­lich­keit als gestal­te­ri­sches Prin­zip erneut grö­ße­re Beach­tung. In Schwe­den setz­te sich der Funk­tio­na­lis­mus u.a. infol­ge der Stock­hol­mer Aus­stel­lung von 1930 und des Mani­fests accep­te­ra ab den 1930er Jah­ren durch.

Zum wirk­lich all­ge­mein­ver­bind­li­chen Inbe­griff moder­nen Bau­ens wur­de der Funk­tio­na­lis­mus in Deutsch­land jedoch erst nach dem Zwei­ten Welt­krieg und hat auf die­se Wei­se die Archi­tek­tur­spra­che des Wie­der­auf­baus wei­test­ge­hend geprägt. Seit Beginn der 1970er Jah­re gerät die for­ma­le Armut und Unwirt­lich­keit der funk­tio­na­lis­ti­schen Pla­nun­gen (der „Zweck­bau“) zuneh­mend in das Feld öffent­li­cher Kri­tik, wes­halb die Post­mo­der­ne in den 1980er Jah­ren dem Funk­tio­na­lis­mus schließ­lich völ­lig neue Gestal­tungs­prin­zi­pi­en ent­ge­gen­zu­set­zen ver­such­te. In der gewerb­li­chen und Indus­trie­ar­chi­tek­tur wie auch bei öffent­li­cher Infra­struk­tur ist Funk­tio­na­lis­mus – allein aus Finan­zie­rungs­fra­gen her­aus – aber immer ver­tre­ten geblie­ben.

Eine erneu­te Aktua­li­tät als Gestal­tungs­prin­zip erlangt der Funk­tio­na­lis­mus in der Archi­tek­tur in der zwei­ten Hälf­te der 1990er Jah­re, nach dem Abeb­ben des soge­nann­ten Dekon­struk­ti­vis­mus. In der Archi­tek­tur abseits der Reprä­sen­ta­ti­ons­bau­ten wird der Ansatz im Lau­fe der letz­ten Jahr­zehn­te wie­der domi­nie­rend. Strö­mun­gen wie Nach­hal­ti­ges Bau­en sind über das Stre­ben nach mini­ma­lem Res­sour­cen-Ein­satz einem funk­tio­na­lis­ti­schen Grund­zug eben­so zuge­neigt wie Ener­gie­ef­fi­zi­en­tes Bau­en, in dem die Form­ge­bun­gen tech­ni­schen Maß­ga­ben von Wär­me­iso­lie­rung, Beson­nung und ähn­li­chem folgt. Das­sel­be gilt für mate­ri­al­be­zo­ge­ne Fach­rich­tun­gen wie den moder­nen Holz­bau oderLehm­bau, oder Stand­or­tal­ter­na­ti­ven wie Bau­en am Was­ser.

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