Futurismus

Filippo Tommaso Marinetti, (c) Wikimedia. „FilippoTommasoMarinetti“ von http://italpag.altervista.org/6_letteratura/letteratura11.htm. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:FilippoTommasoMarinetti.jpg#/media/File:FilippoTommasoMarinetti.jpg
F. T. Mari­net­ti, © Wiki­me­dia.

Mit dem “Futu­ris­ti­schen Mani­fest” begrün­de­tet 1909 der ita­lie­ni­sche Schrift­stel­ler Filip­po Tom­ma­so Mari­net­ti (1876–1944) die­se ers­te avant­gar­dis­ti­sche Kunst­be­we­gung, die auf­grund des breit gefä­cher­ten Spek­trums den Anspruch erhob, eine neue Kul­tur zu begrün­den. Der Futu­ris­mus (ital. futu­ro = Zukunft) woll­te mit allem aus der Ver­gan­gen­heit bre­chen und for­der­te statt­des­sen Ori­gi­na­li­tät, Mut zur Ver­rückt­heit sowie die Wie­der­ga­be des täg­li­chen Lebens. Die künst­le­ri­sche For­men­spra­che wur­de im Gegen­satz zum Kubis­mus noch durch die Ästhe­tik der Geschwin­dig­keit und der kör­per­auf­lö­sen­de Dyna­mik von Bewe­gung und Licht (“dina­mis­mo”) ergänzt. Ent­spre­chend der zu die­ser Zeit gro­ßen Begeis­te­rung für die tech­ni­schen Erfin­dun­gen Auto und Flug­zeug soll die in den Bil­dern gezeig­te Simul­tanei­tät in auf­ein­an­der­fol­gen­den Bewe­gungs­ab­läu­fen visua­li­siert wer­den.

‘Ein­zig­ar­ti­ge For­men der Kon­ti­nui­tät im Raum’, von U. Boc­cio­ni, ©  Wiki­me­dia.

Mari­net­ti bau­te einen künst­le­ri­schen Freun­des­kreis auf, des­sen Mit­glie­der in Ver­an­stal­tun­gen, Mani­fes­ten und eige­nen Wer­ken der ver­schie­de­nen Kunst­gat­tun­gen die Idea­le des Futu­ris­mus prä­sen­tier­ten. Gewalt­be­reit und beein­flusst von Sym­bo­lis­mus und Anar­chis­mus lehn­ten sie sich auch poli­tisch gegen die herr­schen­de bür­ger­li­che Ord­nung auf.

In den Fel­dern Male­rei, Plas­tik und Thea­ter, Musik und wei­te­ren Fel­dern (Archi­tek­tur, Mode und Kunst­ge­wer­be, Poli­tik) ent­stan­den jeweils eige­ne Mani­fes­te. Schon im Grün­dungs­ma­ni­fest wur­de nicht nur die (christ­li­che) Moral abge­lehnt, son­dern eta­blier­ten Kul­tur­trä­gern rigo­ros der Kampf ange­sagt: die Zer­stö­rung von Biblio­the­ken, Muse­en und Aka­de­mi­en als Hort des “Pas­sa­tis­mus” (über­leb­te Anschau­un­gen) wur­de gefor­dert.

20 Cent-Mün­ze. © Wiki­pe­dia

Die geziel­te Ver­brei­tung war gut orga­ni­siert: in ihren Ver­an­stal­tun­gen wur­den die Prä­sen­ta­tio­nen von geziel­ten Pro­vo­ka­tio­nen der Staats­ge­walt beglei­tet, bis 1910 in Nord­ita­li­en, ab 1911 bis Kriegs­be­ginn auch im euro­päi­schen Aus­land. Dadurch rie­fen sie ein gro­ßes Medi­en­echo her­vor und beein­fluss­ten die Kunst­ent­wick­lung in den ande­ren euro­päi­schen Län­dern.

Die Bewe­gung war gewalt­ver­herr­li­chend, kriegs­un­ter­stüt­zend und spä­ter eng ver­quickt mit dem Faschis­mus in Ita­li­en. Sie zeig­te schon bei Beginn des ers­ten Welt­kriegs Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen, ende­te aber schlielß­lich mit dem Tod Mari­net­tis im Jah­re 1944.

Simul­tan­vi­sio­nen

Unter der Per­go­la in Nea­pel

Futuristische Kunstwerke

Im Bereich der Plas­tik gilt heu­te Boc­cio­nis Ein­zig­ar­ti­ge For­men der Kon­ti­nui­tät im Raum als Iko­ne des Futu­ris­mus. Ihrer Bedeu­tung ent­spricht auch, dass sie die aktu­el­le ita­lie­ni­sche 20-Euro­cent-Mün­ze ziert. Futu­ris­ti­sche Gemäl­de sind z. B. Die Stadt erhebt sich (1910), Simul­tan­vi­sio­nen (1912) und Unter der Per­go­la in Nea­pel (1914). 

Web­links: Wiki­pe­dia, ACADEMIC, Hei­se.

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